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Manfred Manns EarthbandManfred Mann’s Earthband

Keine Frage: Der gebürtige Südafrikaner hat ein gutes Händchen für zeitlose Songs. Jüngster Beweis: "Do Wah Diddy Diddy", das durch seine Interpretation 1964 berühmt gewordene Lied der Exciters, erobert 32 Jahre später in der Fun-Factory-Version erneut die Charts. Der Zeitpunkt könnte für den vielseitigen Keyboarder also nicht besser sein, um wieder etwas von sich hören zu lassen. Und zwar mit seiner Earth Band, die im März `71 gegründet wurde und deren letzter Longplayer ("Masque") auf 1987 datiert ist!

Anfang `92 wurde die 1988 aufgelöste Gruppe von Manfred Mann wieder ins Leben gerufen. Waren zuerst außer dem Wahl-Londoner (Jahrgang 1940) nur Noel McCalla (Gesang), Mick Rogers (Gitarre, Gesang), Steve Kinch (Bass) und Ex-Jethro Tull Clive Bunker (Schlagzeug) mit von der Partie, so stieß später kurzzeitig Chris Thompson (Earth Band-Mitglied zwischen 1976 und 1980) dazu, ist jedoch seit 1998 nicht mehr in der Band.

Manfred erzählte über die Entstehung seines letzten Studioalbums Softvengance 1997 ..."Der Entstehungsprozeß unseres vierzehnten Studio-Albums erwies sich als äußerst kompliziert und langwierig".. "Denn abgesehen davon, daß ich einen hohen Qualitätsanspruch anlege und deshalb viele Songs diesem Maßstab zum Opfer fallen, gab es ein weiteres Problem: Wir nahmen Stücke auf, die live funktionierten, dann aber in der Studioversion keinerlei Magie mehr besaßen." Gut Ding will offensichtlich Weile haben und so dauerte es Jahre, bis "Soft Vengeance" fertiggestellt war. Primär handelt es sich einmal mehr um Neuauflagen von Fremdkompositionen. "Bei diesen sogenannten Coverversionen versuche ich stets", betont Mann, "daß sie sich grundlegend vom Original unterscheiden. Aus Bob Dylans ziemlich schnellem "Shelter From The Storm" wurde bei uns eine lange Ballade. "Nothing Ever Happens" von Del Amitri ist eigentlich im Dreivierteltakt und sehr akustisch, doch in der Earth Band-Version ein geradliniger Rocksong im Viervierteltakt". Den Track "Sexual Jealousy" fand der ehemalige Dozent für Popmusik an der Londoner University "auf einer obskuren Indie-Scheibe". Obgleich er sich als Jazz-Fan sonst eher Musik von Jan Garbarek anhört, erschien ihm genau dieses Lied sehr gut. "Ich habe es nun um ein Piano Prelude von Rachmaninoff angereichert. Mein Lieblingsstück ist allerdings die Michael Chapman-Komposition "Pleasure & Pain", in deren Hintergrund ich das "Meditation" betitelte Instrumental eines französischen Komponisten gesetzt habe". Laut Manfred Mann sind für die Earth Band-Musik "gute Melodien, emotionale Qualität sowie etwas Mini-Moog" typisch. Solche zeitlose Werte zeichnen auch "Soft Vengeance" aus. "Es soll eine Songcollection sein, die einerseits das Beste unseres Stils komprimiert in sich vereint und andererseits nahtlos in die Tradition guter Earth Band-Alben paßt!" Um dieses Ziel zu erreichen, nimmt der Sohn eines Druckers sogar etwas in Kauf, das er eigentlich nicht mag. "Im Gegensatz zum Livespielen macht mir das Aufnehmen einer Platte keinen Spaß. Ich finde diesen Prozeß sehr schwierig." Der Grund: "Was sich im Studio heute gut anhört, überzeugt einen am nächsten Tag nicht mehr. Wenn man es laut abspielt, klingt es toll, doch leise hört es sich meistens furchtbar an. Irgendwann muß die Arbeit aber abgeschlossen werden. Und ich glaube, ich habe diesmal etwas gemacht, wie ich es derzeit nicht besser hinbringen könnte."

Nach jahrelanger Tüftelei an den analogen Maschinen in seinem renommierten Workhouse Studio widmet sich der Perfektionist, dem es übrigens "schlichtweg egal ist", welche Rolle die Earth Band in der Rock-/Popszene der Neunziger zwischen Dancefloor, Techno und Hip Hop einnimmt, wieder einem vergnüglicheren Thema : Konzerte geben - Nach unzähligen Tourneen & Festivals hat 1998 die Earthband bei Virgin ein sensationelles LiveAlbum veröffentlicht, das dokumentiert, was die Band ist : ein genialer live act !